Immer wieder kommt es vor, dass man innehält und über ein Wort und seine Herkunft nachzudenken beginnt, denn die Bedeutung ist oft verhüllt im Nebel der Vergangenheit.
Wortwurzel oder Urbedeutung
Der Gemeine Efeu ist ein Wurzelkletterer, der auf Grund seiner Eigenschaft, sich überall fest anzuschmiegen, ein Sinnbild für Freundschaft und Treue ist. In ganz Europa verbreitet, umrankt er Bäume ebenso wie Kirchen und verwächst sich – im Sinne des Wortes – mit heidnischen Ritualen und christlichen Vorstellungen.
In Westfalen brachten am 3. Fastensonntag die Mädchen den Nachbarn Efeukränze, die über dem Herd aufgehängt wurden, um so den Frühling ins Haus zu bringen. Als Orakelpflanze soll Efeu am 24. Februar – Matthias – verwendet worden sein. Einem heidnischen Brauch folgend, tanzten nachts die Mädchen bei Fackelschein mit Efeu- und Strohkränzen. Hinter ihrem Rücken mussten sie versuchen, einen Kranz zu fassen. Der Efeukranz bedeutete Glück in der Liebe, es sollte noch im selben Jahr Hochzeit sein. Der Strohkranz zeigte dagegen Unglück an.
Ebenso wurde mit Efeublättern in der Andreasnacht orakelt. Man warf zwei Efeublätter in eine Schale mit Wasser, so dass sie auf der Oberfläche schwammen. Waren die Blätter am nächsten Morgen zusammengetrieben, dann sollte es noch in diesem Jahr Hochzeit geben. Trieben sie getrennt voneinander, dann musste man noch länger warten.
Wenn heute Grabstätten häufig mit Efeu bepflanzt werden, so ist das eine meist unbewusste Nutzung des Symbols vom ewigen Leben. „Wie im Leben so im Tod“ steht als Inschrift auf manchem alten von Efeu umschlungenen Grabstein.
Doch was ist vom heidnischen Glauben über das Jenseitige im Sprachgebrauch noch vorhanden?
Am bekanntesten ist Walhall, die “Halle der Auserwählten”. Sie ist die Welt der Freude, in die nur gute und rechtschaffene Menschen gelangen.
Das allgemeine Totenreich war aber das Reich der Hel oder Hölle. Dort existierten keine Teufel, sondern hier herrschte die Totengöttin Hel oder bekannter, die “Frau Holle”.
Frau Holle ist die “verhüllende” Erdgöttin selbst, zu der alle Seelen gelangen und die jedem nach seinen Verdiensten einen entsprechenden Aufenthaltsort zuweist. Sie sorgt aber auch dafür, dass die Seelen in ein neues Erdenleben wiedergeboren werden. Durch eine Reihe von Wiedergeburten entwickelt sich dieses Leben stetig weiter. Erst wenn ein bestimmter Entwicklungsprozess abgeschlossen ist, gehen die Seelen in höhere Bereiche über.
Im Märchen der Gebrüder Grimm, “Frau Holle”, ist der Gedanke von Tod und Wiedergeburt gut dargestellt. Die Goldmarie erreicht durch einen Brunnen, als Sinnbild des Todes, das unterirdische Reich der Frau Holle. Später kehrt sie bei ihrer Wiedergeburt goldübergossen auf die Erde zurück. Anders die Pechmarie, sie ist faul und böse und wird bei ihrer Rückkehr auf die Erde vom Pech als Sinnbild eines schlechten Schicksals übergossen, bei ihrer Wiedergeburt wird sie nur „Pech“ haben und so für ihre Fehler büßen.
Auch ein anderes Wort erinnert an den alten Wiedergeburtsglauben – Enkelkind, denn “Enkel” bedeutet “kleiner Ahne” (“Ahn-kel”). In den Enkelkindern verkörpern sich die verstorbenen Ahnen wieder.
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Betrachtung und der Interpretation von „Genesis VII“, eine sonst eher unscheinbare Blüte des Efeus, der übrigens ein Lebensalter von 450 Jahren erreichen kann.

